Was passiert, wenn der Strom weg ist?
- Blogredaktion
- 24. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Okt. 2025
Die Versorgung mit Strom ist eine der essentiellen Grundlagen unserer Gesellschaften - wenn nicht sogar unserer Zivilisation. Wie sich ein umfassender Ausfall auswirken könnte, har Marc Elsberge in seinem 2012 erschienen Debütroman "Blackout" sehr eindrucksvoll durchdekliniert.

Er schildert, wie durch eigentlich simple technische Manipulationen Europa mit einem fast flächendeckenden Stromausfall lahmgelegt werden kann: Nicht kühlende Kühlschränke, auftauende Gefriertruhen, kein Frischwasser, nicht funktionierende Toiletten – abertausende von Städtern, die ihre Notdurft in den Parkanlagen verrichten müssen. Eine Horrorvorstellung im Kleinen, die im Konzert mit kollabierenden Netzen und marodierenden Atommeilern das Chaos perfekt machen könnten. Damals liefen die Atommeiler noch in Deutschland.
Blackout - Der Inhalt
Die Katastrophe beginnt in Italien. Piero Manzani, ein ehemaliger gefürchteter Hacker, lebt als IT-Berater in Mailand. Auf seinem Heimweg durch die allabendliche Mailänder Rushhour wird er an einer ausgefallenen Ampel in einen Crash verwickelt. Nicht nur das Ampelsystem ist von einem plötzlichen Stromausfall betroffen, sondern ganz Mailand sitzt im Dunkeln. Nach einem kurzen Abstecher zu einem Krankenhaus, das auch nur notdürftig durch eigene Generatoren mit Energie versorgt wird, checkt Manzani die Stromversorgung in seiner Wohnung. Das im Sicherungskasten eingebaute "Smart Meter" - ein digitaler Stromzähler mit Netzanbindung - war ihm als Computerfachmann schon immer suspekt. Jetzt zeigt das Display seltsame Zahlenkombinationen an, die in Manzani den Verdacht aufkommen lassen, dass das Gerät von außen manipuliert wird und es zu willkürlichen An- und Ausschaltprozessen kommt. Träfe das auf ganz Italien zu, würde das den Zusammenbruch des Stromnetzes erklären.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf ...
Seine Hypothese will er am nächsten Morgen an offiziellen Stellen los werden, bei der Polizei stößt er auf Unverständnis, beim örtlichen Energieversorger wird seine Theorie skeptisch betrachtet. Obwohl Kommunikations- und Informationssysteme nur zeitweise funktionieren und nur bruchstückhaft Nachrichten versenden können, wird Manzani das ganze Ausmaß des Breakdowns bewusst. Nicht nur Italien ist betroffen, sondern mittlerweile hat sich die Störung auf alle europäischen Staaten ausgeweitet. Während einer Unterhaltung mit seinem Nachbarn Bondoni, dessen Tochter bei einer europäischen Behörde in Brüssel arbeitet, kommt Manzani die Idee, übergeordnete europäische Institutionen zu kontaktieren. Bondonis Tochter verbringt zwar gerade ihren Urlaub in den österreichischen Bergen, doch Manzani hofft durch ihre Vermittlung direkt die richtige Anlaufstelle für sein Anliegen zu finden. Gemeinsam mit seinem Nachbarn begibt er sich auf die erste Etappe einer beschwerlichen Reise.
Gegen die Zeit
Während Manzano und Bondoni gen Brüssel streben, ist in den Macht- und Schaltzentralen Europas die Hölle los. Krisenstäbe tagen, Katastrophenschutz-maßnahmen sind eingeleitet. In den Kraftwerken versuchen Techniker den unerklärlichen Fehlermeldungen auf die Spur zu kommen. Die Europäische Anti-Terrorzentrale und Interpol suchen fieberhaft nach potenziellen Drahtziehern. Als in Nordamerika ebenfalls die Lichter ausgehen, schielen die Fahnder verstärkt in Richtung Moskau und Peking.
Piero Manzano, zwischenzeitlich in Brüssel angekommen, gerät, wie es Überbringern schlechter Nachrichten des öfteren geht, selber unter Verdacht. Doch er ist nicht untätig gewesen. Wann immer er Zugang zum Internet hatte, hat er dort nach verdächtigen Webseiten und kryptischen Chats Ausschau gehalten. Nicht ohne Erfolg. Trotz aller Bemühungen, der Lage Herr zu werden, verrinnt die Zeit zu schnell. Die Westliche Welt droht in einen Abgrund zu stürzen.
Hart an der Realität
Man kann Marc Elsbergs Debütroman nur als rundum gelungen bezeichnen. Mit schnellen Schnitten wechseln die Schauplätze innerhalb Europas, zeigen sowohl das physische und psychische Leiden der Bevölkerung, die kurzfristig bessere Stellung der Privilegierten, aber auch die krampfhaften Versuche, die komplexe Maschinerie wieder in den Griff zu bekommen. Der Leser wird daran erinnert, dass er in einer komplizierten Kunstwelt lebt und dass die Wand zum absoluten Chaos nur hauchdünn ist.
Elsberg hat die Handlung spannend mit realitätsnahen Charakteren inszeniert, ohne dabei auf Superhelden oder Superbösewichte zurückzugreifen. Als Laie kann man nicht immer die (computer-)technischen oder logistischen Abläufe nachprüfen, aber sie erscheinen plausibel. Wer hinter den Anschlägen steckt, bleibt offen. Blackout ist ein Roman, der nachhaltig in Erinnerung bleibt.
Verfilmung
Der Stoff wurde 2021 als deutsche Thriller-Miniserie verfilmt. Die Produktion der Wiedemann & Berg Television im Auftrag des Fernsehsenders Sat.1 und des Video-on-Demand-Anbieters Joyn lief erstmalig vom 14. Oktober bis zum 11. November 2021 innerhalb von Joyns kostenpflichtigen Subscription-Video-on-Demand-Angebot "Joyn Plus+". Auf Sat.1 wurde die Serie in Doppelfolgen an den drei Donnerstagen vom 26. Januar bis zum 9. Februar 2023 erneut ausgestrahlt. Derzeit ist sie in einer kostenfreien Fassung mit Werbung oder werbefrei im Rahmen des Joyn+-Angebots kostenpflichtig zu sehen.



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